Schicksal

Die Rückkehr der Zigarrenkiste nach Baltrum 

Als ein großes wichtiges Ereignis wurde am 19. März 2002 beim Heimatverein der Insel die Rückkehr „der Zigarrenkiste“ nach Baltrum gefeiert. Horst Evers persönlich, Nachfahre des Verunglückten, der die Zigarrenkiste samt Inhalt als Schicksalszeugnis im Wattenmeer der Nachwelt hinterließ, übergab sie an Ingeborg Brämer, Vorsitzende des Heimatvereins Baltrum e.V..

Tjark Ulrich Honken Evers starb am 23. Dezember 1866 im Nebel über dem Wattenmeer zwischen Langeoog und Baltrum. Im Baltrumer Kirchenbuch heißt es:

„Der Verunglückte besuchte die Navigationsschule in Timmel. In den Weihnachtsferien wollte er seine Eltern besuchen und kam am 22. Dezember in Westeraccumersiel an. Am Morgen des anderen Tages (sonntags) bestieg er mit einem Langeooger ein Boot, das sie jeden an den heimatlichen Strand setzen sollte. Zwischen sechs einhalb und sieben Uhr morgens fuhren sie ab. Ein ziemlich dicker Nebel verhinderte aber den Blick in die Ferne. Die Bootsleute ruderten zuerst nach dem Langeooger Strand, wo sie den Mann von Langeoog aussetzten. Von da wollten sie zum Baltrumer Strande zurudern. In der festen Meinung, diesen Strand erreicht zu haben, legte man an und der Verunglückte stieg aus, und die Bootsleute fuhren wieder ab. Es war aber nicht der heimatliche Strand, den der Verunglückte betreten hatte, sondern eine Sandbank auf der er in der steigenden Flut seinen Tod gefunden. Der Unglücksfall wurde am 5. Januar 1867 bekannt. Am 3. Januar ist an der Insel Wangerooge in einer Cigarrenkiste, die mit einem Taschentuch umwunden war, das Taschenbuch des Verunglückten angetrieben worden...“

Der Wortlaut des bis heute erhalten gebliebenen Textes (Ausschnitt):

„Liebe Eltern, Gebrüder und Schwestern, ich stehe hier auf einer Plat und muß ertrinken, ich bekomme euch nicht wieder zu sehen und ihr mich nicht. Gott erbarme sich über mich und tröste euch. Ich stecke dieses Buch in eine Sigarren Kiste. Gott gebe, daß Ihr die Zeilen von meiner Hand erhaltet. Ich grüße euch zum letzten Mal. Gott vergebe mir meine Sünden und nehme mich zu sich in sein Himmelreich. Amen.

An Schiffer H. E. Evers Baltrum

T U H Evers

Ich bin T. Evers von Baltrum.

Der Finder wird gebeten, dieses Buch meinen Eltern zuzuschicken an Cpt. H. E. Evers Insel Baltrum“

(Baltrumer Kirchenbuch Jg. 1866 und Gerhard Canzler, Aurich (1986): Baltrum, zitiert in Heidi Gansohr-Meinel, Jever (2001): Baltrum – Eine kleine Insel und ihre Bewohner).

Tjark Ulrich Honke Evers war gerade 21 Jahre alt, als er umkam. Man hat seinen Leichnam nie gefunden.

Die Geschichte der Familie Evers ist eng mit der Insel Baltrum verbunden. Der Vater des Verunglückten war der Schiffer Honke Eilts Evers. Dessen einzig überlebender Sohn, also der Bruder von Tjark Ulrichs Honke Evers war der Kapitän und spätere Gemeinde- und Kirchenvorsteher Eilt Honken Evers – Urgroßvater von Horst Evers, der die Zigarrenkiste nun dorthin zurückbrachte, wo sie der Ansicht des Heimatvereins Baltrum nach hingehört: nämlich nach Baltrum.

Die Kiste ist lange Zeit im Besitz der Familie Evers gewesen, war aber schon einmal auf Baltrum im Heimatmuseum ausgestellt. Die Familie ist heute in Esens beheimatet und im dortigen Heimatmuseum war das Fundstück zuvor zu sehen. In den vergangenen vier Jahren war die Zigarrenkiste an das Nordseehaus in Wilhelmshaven ausgeliehen worden. Jetzt freut sich der Heimatverein Baltrum, dieses gut erhaltene, wohl auch erschütternde und ans Herz gehende Dokument aus der Geschichte der Insel Baltrum einem interessierten Publikum in der Inselkammer im Nordseehaus präsentieren zu können.

Sabine Hinrichs

Die Inselglocke Baltrum 2-2002